Häfenkooperation: Was aus dem „Masterplan Niederrhein“ geworden ist.

Anderthalb Jahre ist es her, da wurde im Weseler Kreishaus der so genannte „Masterplan zur Häfenkooperation Niederrhein“ vorgestellt. Das Gutachten, für das die Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) einen Investitionsbedarf von rund 100 Millionen Euro veranschlagten, sieht eine Partnerschaft der Häfen Duisburg, Wesel, Emmelsum, Rhein-Lippe, Orsoy und Emmerich vor. Dieses Projekt droht nach wie vor im Ansatz zu scheitern, weil es im Raum Wesel Schwierigkeiten gibt. Die handelnden Personen der drei Häfen im Lippe-Mündungsraum erwecken den Eindruck, ihr eigenes Süppchen kochen zu wollen.

Nachdem die Entscheidung vom Sommer in den Winter verschoben worden war, hat der Kreis Wesel einen Grundsatzbeschluss zur Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft mit dem Stadthafen Wesel sowie der Häfen Emmelsum und Rhein-Lippe gefasst. Dies ist auch Voraussetzung im Masterplan, und Landrat Ansgar Müller betrachtet die angestrebte Kooperation als Chance, „sich im Konzert der großen Häfen behaupten zu können“. Doch laut Beschluss soll die Weseler Hafengesellschaft zunächst rein kommunal ausgerichtet sein. Und da fragen sich viele potenzielle Partner, ob das nicht dem groß angelegten Plan mit einem, wie es damals in der Studie hieß, „international agierenden Partner wie den Hafen Duisburg“, im Wege steht.

In Sachen kommunale Ausrichtung lenkt indes Kreiskämmerer Peter Giesen, gleichzeitig Projektleiter der angestrebten Häfenkooperation, ein. „Da sollte man schon ein paar Dinge unterscheiden. Denn die einzige Aufgabe der neuen Gesellschaft wird sein, die öffentliche Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, und dafür brauchen wir Fördermittel.“ Was später aber die Betreiberschaft der Grundstücke beträfe, so Giesen weiter, könne man sich durchaus vorstellen, „mit privaten Anbietern zusammen zu kommen.“ Man brauche eine „saubere gesellschaftliche Struktur und dafür wiederum den regionalen Konsens“.

Kein Kohleumschlag im Rhein-Lippe-Hafen

Der Masterplan sah vor anderthalb Jahren unter anderem vor, dass - in einer ersten Phase wohlgemerkt - im Weseler Stadthafen ein Agrargutumschlag entstehen soll, dann ein erweiterter Stückgut- und Containerumschlag im Hafen Emmelsum sowie - optional - ein Kohleterminal im Rhein-Lippe Hafen. Letzteres ist bereits vom Tisch. Der Aufsichtsrat des Rhein-Lippe-Hafens hat sich jüngst so positioniert, dass es dort keinen Kohleumschlag geben wird. Giesen orakelt: „Ich kann mir bei Rhein-Lippe auch andere Geschäftsfelder vorstellen. Häfen können mehr als Kohle.“

Der Sitz der Weseler Hafengesellschaft wird Wesel sein, alles andere ist noch in der Schwebe. So gilt es beim Stadthafen zu beachten, dass sowohl die Stadtwerke Wesel als auch der Konzern Gelsenwasser Anteile besitzen. Was den Hafen Emmelsum betrifft, müssen noch mit der Finanzbehörde steuerrechtliche Fragen geklärt werden, da der Kreis Wesel dort Aktienpakete geparkt hat. Vorschläge zur Form der Gesellschaft erwarten die Politiker indes von zwei Gutachtern, die die vorhandenen Expertisen unter die Lupe nehmen.

Und wie lang es noch mit der Partnerschaft mit Häfen wie Duisburg oder Emmerich dauern kann, zeigt die Tatsache, dass man sich in Wesel erst einmal darüber einig werden muss, wer die Sanierung der maroden Kaimauer im Stadthafen finanziert.

Joachim Kochsiek vom Fraunhofer-Institut hat den Masterplan im Juni 2010 in epischer Breite im Kreishaus vorgestellt und freut sich heute, dass immerhin die Gründung einer Weseler Hafengesellschaft bevorsteht „und das es somit mit dem Projekt endlich weiter gehen kann“. Jedoch hänge alles davon ab, so der Fachmann für Verkehrslogistik weiter, „ob diese Gesellschaft auch handlungsfähig ist und zudem in der Lage, mit einer Stimme zu sprechen und schnelle Entscheidungen zu treffen“.

Und was sagen andere potenzielle Partner? Die Niag als Betreiber des Orsoyer Kohlehafens etwa hat dem Kreis bereits das Angebot gemacht, ihren Hafen zu rekommunalisieren. „Zudem stehen weitere Gespräche an, um die Frage zu klären, ob und wie wir weiter dabei sein werden“, erklärt Niag-Sprecherin Beate Kronen. „Ansonsten sehen wir das Konzept weiter auf einem guten Weg.“